UnBoxing - Fanzines als Artefakte jugendkultureller Praxen

(Fan-)Zines sind authentische jugend- bzw. subkulturelle Erzeugnisse, die Einblicke in die Lebenswelten von Jugendlichen in spezifischen historischen und lokalen Kontexten bieten und stellen deshalb eine besondere Quelle für die sozial- und kulturwissenschaftliche Jugend(kultur)forschung dar. Ihre wichtige Rolle als Bestandteil des kulturellen Erbes wird erst allmählich erkannt.

Bei (Fan-)Zines handelt es sich um Sammlungsobjekte, die sich nur mit großem Aufwand und Fachwissen in Archivboxen unterbringen lassen. Die Digitalisierung stellt eine Möglichkeit dar, diese Artefakte aus der Enge der Archivboxen zu befreien, damit sie ihr Potenzial für die Forschung entfalten können.

Seit dem 1. April 2017 wird das Archiv der Jugendkulturen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes – eHeritage gefördert. In dem auf neun Monate angelegten Projekt geht es um die Entwicklung eines Konzeptes zur Digitalisierung von Fanzines als Artefakte jugendkultureller Praxen. 

In der Konzeption soll die spezifische Materialität von (Fan-)Zines berücksichtigt werden - dazu gehören die Haptik, die teilweise individuelle Gestaltung, Spuren von Herstellung, Vertrieb und Gebrauch. Der Umstand, dass (Fan-)Zines im Gegensatz zu den meisten anderen Printerzeugnissen in der Lage sind, sehr intime und persönliche Beziehungen zwischen den Macher*innen und den Leser*innen zu erzeugen, soll bei der Konzeption nicht vernachlässigt werden.

Darüber hinaus sind (Fan-)Zines in den meisten Fällen nicht ohne Informationen über deren zeitlichen, örtlichen, (jugend-)kulturellen und sozialen Kontext zu verstehen. Diese erschließen sich nicht immer aus dem Zine selbst, sondern nur durch Hinzuziehen weiterer Quellen – also durch externes Kontextwissen und/oder weitere Kontextdokumente. Bei der Entwicklung eines Konzepts zur Digitalisierung von (Fan-)Zines soll diese Besonderheit deshalb ebenfalls berücksichtigt werden.

Ziel des Projektes ist die Erarbeitung eines Konzeptes zur Digitalisierung von (Fan-)Zines, das den spezifischen Merkmalen dieses Mediums gerecht wird und darüber hinaus auch ethische und rechtliche Aspekte bei der Digitalisierung von (Fan-)Zines miteinschließt.

>> Interview mit dem Breitbandbüro des Bundes zum Projekt UnBoxing.

 

Kontakt:
Anja Thieme:
anja.thieme@jugendkulturen.de
Christian Schmidt
christian.schmidt@jugendkulturen.de
Tel.: 030 - 61203317

 

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